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SZD-24 Foka – »Dickschiff« in 1 : 2,2

Weil es die Foka nicht in der gewünschten Größe gab, sollte das Modell im Maßstab 1 : 2,2 im Eigenbau entstehen – ohne dass die Angelegenheit zu einer unüberschaubaren Schleif-Orgie ausarten würde. Das sollte sich jedoch als Trugschluss herausstellen. Das Projekt ging deshalb einen ganz anderen Weg, der schließlich zum professionell gefertigten Modell und nun käuflich erwerbbaren Bausatz führte!

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Die Foka gefiel mir schon immer – es gab sie nur nicht in der Größe, die ich gerne gehabt hätte. Es sollte schon deutlich größer als 1 : 3 sein. Es blieb lange bei der Träumerei, bis ich mit zwei Freunden den Entschluss fasste, dieses Dickschiff selbst von Grund auf zu bauen. Die Herstellung des Urmodells für den GfK-Rumpf sollte nicht zu kompliziert werden. Die Idee war, im Maßstab 1:2,2 vom Rumpf eine Draufsicht und Seitenansicht als Holzschablone auszuschneiden, mit einigen Spanten zu versteifen und dann die Leerräume mit Styroblöcken zu füllen. Eine überschaubare Schleifarbeit sollte das Ganze in die gewünschte Form bringen. Mit Elan ging es an die Arbeit. Der Aufwand zum Schleifen wurde aber massiv unterschätzt, und die Freude an einer Fertigstellung neigte sich bald gegen Null. Der Rumpf wurde unvollendet entsorgt.

SZD-24-Foka_2Die Trauer darüber war aber nicht allzu groß, denn zwei professionelle Kooperationspartner boten Hilfe an. Die rumänische Firma AFT schnitt mir mit einer CNC-Maschine 10 cm dicke Scheiben aus Styro über die gesamte Rumpflänge. Diese waren sehr formgenau und mussten nur noch auf eine zentrale Achse aufgefädelt und mit zwei Lagen 150er Glasgewebe belegt werden. Aufgrund der äußerst präzisen Styrosegmente hielt sich die Schleifarbeit sehr in Grenzen. Besten Dank für die Unterstützung, Manel und Ionel von AFT.ro

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Die einfache Variante eines Schiebemechanismus’ und die Luxusversion von Uli Richter. Wie man es letztendlich baut, ist eigentlich egal. Die Haube muss vorbildgetreu nach vorne geschoben werden. Bei der einfachen Mechanik wird diese von der lackierten Nase der Kabinenhaube unsichtbar verdeckt. (Beide Bilder oben)

Der andere qualifizierte Partner ist Klaus Dräger von KD-Flugmodellbau. Er verfeinerte das Urmodell des Rumpfs hin zum abformfähigen Endprodukt. Klaus stellte auch die Form für die spätere Rumpfproduktion her und fertigte überdies die zugehörigen Flächen. Mittlerweile ist ein kompletter Bausatz des Großmodells entstanden und wird von Klaus Drägers Firma KD-Flugmodellbau angeboten. Ich wollte eigentlich nur meine eigene große Foka haben und hatte keinerlei finanzielle Interessen an einer Vermarktung. Jetzt freue ich mich, dass noch viele andere Modellbauer diesen schönen Klassiker fliegen können. So kann ich im Wesentlichen auf den verfügbaren Bausatz von KD-Flugmodellbau eingehen. Und ein weiteres Highlight wird gleich dazu geliefert. Es entspricht zwar nicht dem Original, aber trotzdem wurde der Segler mit einer Eigenstarthilfe ausgestattet – einziehbar, damit wenigstens beim reinen Segeln oder am Boden die Silhouette der Maschine nicht gestört wird. In meinem Fall soll das Spitzenprodukt K25-Evolution von JK-Klapptriebwerke den Einsatzbereich der Foka deutlich erweitern.

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Das Fahrwerk der Foka ist nicht einziehbar, aber mittels zweier Gasdämpfer gut gefedert. Das stabile Vollgum-
mirad von Fema ist zwischen zwei Aluschenkeln gelagert.

Das Modell
Bei KD-Flugmodellbau wird die Foka in der klassischen GfK-Styro-Bauweise angeboten. Alle Bauteile sind von sehr guter Qualität. Schon beim Grundbausatz ist der Vorfertigungsgrad sehr hoch. Wer möchte, kann bei Klaus Dräger alle Ausbaustufen bis hin zum flugfertigen Modell in Auftrag geben. Allerdings ist die Foka schon aufgrund der Größe kein Massenprodukt. Und so werden auch keine Bausätze oder Teile auf Vorrat gehalten: Der Großsegler wird auf Bestellung gefertigt, und so müssen auch entsprechende Lieferzeiten in Kauf genommen werden.

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Nicht scale, aber sehr effektiv: Das JK-Klapptriebwerk K25 Evolution ist einziehbar und erweitert das Einsatzspektrum erheblich. Der Motor ist mit einem Reisenauer-Getriebe untersetzt und treibt einen RF 23 x 12 Kohlepropeller an. Ein interessantes Detail sind die mechanischen Anschlagbegrenzer, die die Propeller am zu starken Zurückbiegen hindern. Die erreichte Unabhängigkeit von Schleppflugzeugen mit diesem E-Antrieb ist gar nicht hoch genug zu schätzen.

Der Rumpf
Klaus Dräger fertigt die Rümpfe ausnahmslos selbst. »Nur so ist ein immer gleicher, hoher Qualitätsstandard sicherzustellen«, sagt er mit Recht. Im Übrigen ist das bei den Flächen ebenso. Den Rumpf kann man in verschiedenen Ausführungen haben. Die Standardausführung in GfK-Bauweise ist an neuralgischen Stellen entweder mit Kohlegewebe oder mit Kevlar verstärkt. Um einiges an Gewicht zu sparen, gerade bei dem langen und voluminösen Heck, sollte man die alternativ angebotene, aber etwas teurere Hybridbauweise wählen. Sie besteht aus einer Mischung aus ganzflächig eingelegten Glas- und Kevlargewebe; die Hauptfestigkeit erhält der Rumpf aber durch die Hauptlage aus Kohle/Kevlar-Hybridgewebe. Das sieht nicht nur gut aus, es spart auch über 1 kg Gewicht. Die Qualität dieses Rumpfs konnte in jeder Beziehung überzeugen. Kein einziger Lufteinschluss konnte entdeckt werden, auch nicht im Bereich der Trennnaht, die übrgens äußerst fein ausgeprägt ist. Und weil sich Kevlargewebe schlecht schneiden und schleifen lässt, bestehen die Ausschnittbereiche des Hauptrads und des Rumpfrückens ausschließlich aus Glas- und Kohlegewebe; das erleichtert die spätere Feinarbeit erheblich.

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Ein schönes Detail an der Foka ist das stark nach hinten
gepfeilte Seitenruder. Die schräge Drehachse erleichtert erleichtert eine verdeckte Anlenkung jedoch nicht. Abhilfe schaffte ein Drehteller im Inneren des Rumpfs. Auf diesem sind zwei Röhrchen aufgeharzt, in die wiederum zwei Stangen als Verlängerung der Drehachse des Ruders einfassen. Der Teller nimmt nun bei Drehung diese Stangen mit, und das Seitenruder schlägt wie gewünscht aus.

Eigentlich war der Rumpf zu schade zum Lackieren. Apropos: Bei Bestellung kann man die Farbe der Gelcoatschicht frei wählen. Wenn man also die klassisch orange oder gelbe Version wählt, ist man schon mit einer Oberfläche in diesem Grundton gut beraten. Es spart Gewicht beim Endlack.

Auch von der Festigkeit her ist dieser Rumpf gut gelungen – und das bei einem akzeptablen Gewicht. Aus der Form heraus wiegt der große Rumpf in Hybridbauweise lediglich 3,1 kg: nass in nass gefertigt, ohne Harzseen, mit sauber verlegten Gewebelagen, die im Bereich der Trennebene überlappen. Im Bereich des Übergangs von der Rumpfröhre zur Seitenflosse sind zusätzliche Verstärkungen eingelegt, um eine höhere Torsionsresistenz zu erhalten. Die besondere Festigkeit ist hier wichtig, da das 137 cm spannende Höhenleitwerk auf eine sauber ausgearbeitete Auflage aufgeschraubt wird und das Heck schon ordentlich belastet. Auch im Cockpitbereich sind etliche Kohlerovingverstärkungen in das Laminat eingearbeitet worden. Eine wirklich sorgfältige und gute Arbeit. …

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in der Ausgabe 4/2014 des MFI Magazins.

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Beim Start im Seglerschlepp ist das Gespann in der Luft kaum mehr von einem manntragenden zu unterscheiden.