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Pond Racer – Das Voll- GfK-Modell von ACR-Composite

Eingereicht

Zweimotorig, ungewöhnlich, futuristisch und sehr selten: Die Maschine gibt es zwar schon geraume Zeit, sie erscheint aber wohl so außergewöhnlich, dass sich nur wenige Modellflieger an sie heranwagen. Die Umsetzung der Idee eines modernen Rennflugzeugs ist im Original kläglich gescheitert. Jedwede Bedenken zum Aufbau und Betrieb des Modells hingegen sind unbegründet, meint unser Autor Wolfgang Mache.

Pond_Racer-1

Der Nachbau des Pond Racers stammt vom Experten Manfred Topp. Er hatte sich viel vorgenommen, um ein gut fliegendes Modell zu erhalten, denn das Original war kompromisslos als reine Rennmaschine konzipiert worden. Damit verbunden waren dann auch die immensen Schwierigkeiten im Betrieb und letztlich das eher unrühmliche Scheitern des Projekts. So sollte das Modell natürlich nicht enden. Das Modell ist als Großmodell in Maßstab 1 : 2,6 aufgebaut. In dieser Größe lassen sich die vielen markanten Details des Originals hervorragend nachbilden. Bei der Profilierung des Tragwerks blieb Manfred Topp mit dem eher konventionellen NACA 2410 auf der sicheren Seite.

Mittlerweile sind 21 verschiedene Formen gebaut, um das Modell weitgehend vorbildgetreu in Voll-GfK entstehen zu lassen. Michael Sieck hatte den Formensatz erstanden und fertigt nun in seiner Firma ACR-Composite dieses außergewöhnliche Modell. Es passt gut in deren Produktpalette an Rennflugzeugen.

Der original Racer
Konstrukteur Burt Rutan ist bekannt für unkonventionelle Konstruktionen. Er war für das Design und den Bau des Pond Racers verantwortlich. Das Flugzeug erinnert ein wenig an eine Mischung aus Lockheed P-38 Lightning und dem Podracer von Anakin Skywalker aus George Lucas’ »Krieg der Sterne«. Auftraggeber der Maschine war Bob Pond, in jungen Jahren Marinepilot und ein typischer US-Selfmade-Millionär.

Schemazeichnung des original Pond Racers.

Schemazeichnung des original Pond Racers.

Die Maschine sollte mit den hoch frisierten »heavy metal« WK II-Rennflugzeugen in der Unlimited-Klasse der Luftrennen in Reno nicht nur mithalten, sondern sogar den Geschwindigkeitsrekord für propellergetriebene Flugzeuge brechen. Das futuristische Design wurde in Kohle/Kevlar umgesetzt. Zwei Nissan V6-Motoren mit je 1.000 PS aus dem Automobilrennsport sollten für Vortrieb sorgen. Erreicht wurden jedoch nur 600 PS. Die Antriebseinheit mit der mangelhaften Leistung und defizitärer Kühlung war auch der Schwachpunkt, der dem ambitionierten Projekt letztlich zum Verhängnis wurde.

Zu Überführungsflügen und Dauertests wurde Benzin als Treibstoff genutzt, zum Rennen selbst sollten die gleichen Triebwerke mit Methanol betrieben werden. Durch dessen geringere Verbrennungstemperaturen wollte man auf widerstandsproduzierende Kühlsysteme verzichten. Mit dem ersten offiziellen Erscheinen des Pond Racers 1991 in Reno qualifizierte sich die Maschine bei den Ausscheidungsrennen mit einer ansehnlichen Geschwindigkeit von 640 km/h. Beim Rennen selbst quittierte ein Motor gleich nach Take-Off den Dienst. Die Maschine konnte aber noch sicher einmotorig gelandet werden.

Der Pond Racer war an sich eine sichere Konstruktion, die Flugeigenschaften nach Aussagen der Testpiloten waren hervorragend. Probleme machten nur die Triebwerke, die für die im Flugbetrieb sich ständig ändernden Drehzahlen nicht konzipiert waren. Der Aufwand war immens. So mussten die Motoren vor dem Anlassen mit Heißluftaggregaten auf Betriebstemperatur gebracht werden und diese unmittelbar nach Abstellen der Motoren wiederum mit Außengebläsen langsam wieder heruntergekühlt werden. Ein Problem mit der sich ständig ändernden Viskosität des Öls konnte nie gelöst werden. Nissan betrachtete das Projekt von vornherein sehr misstrauisch und verweigerte leider die nötige technische Unterstützung.

Die Rauchglas-Haube passt gut zum Erscheinungsbild des Pond Racers und deckt einiges ab. Trotzdem bietet sich ein Ausbau des Cockpits an. Mit einfachen Mitteln – wie Sitzschale, Steuerknüppel und einigen Instrumenten im Panel – lässt sich der Scale-Eindruck noch weiter verstärken.

Die Rauchglas-Haube passt gut zum Erscheinungsbild des Pond Racers und deckt einiges ab. Trotzdem bietet sich ein Ausbau des Cockpits an. Mit einfachen Mitteln – wie Sitzschale, Steuerknüppel und einigen Instrumenten im Panel – lässt sich der Scale-Eindruck noch weiter verstärken.

1992 konnte man tatsächlich den zweiten Platz im Bronze-Rennen in Reno erringen, kämpfte aber immer noch mit den Kühlproblemen. Die avisierten jeweils 1.000 PS, die nötig gewesen wären, um auch nur in die Nähe des Geschwindigkeitsrekordes zu kommen, wurden nie erreicht. Im folgenden Jahr kam es während eines Qualifikationsrennens in Reno zum Bruch einer Ölleitung. Der Motor fing Feuer und konnte nicht im Flug gelöscht werden. Bei der Notlandung brannte der Pond Racer vollständig aus; der Pilot Rick Brickert kam ums Leben.

Einen zweiten Pond Racer hat es nie gegeben. Die ausbleibende Unterstützung durch den Motorenhersteller, die mangelnde Erfahrung des technischen Teams im Bereich moderner und zuverlässiger Antriebstechnik und letztlich die Aussagen in der Fachpresse, dass eine Doppelrumpfkonstruktion aufgrund des Gesamtwiderstands niemals den Geschwindigkeitsrekord werde brechen können, veranlassten Bob Pond, das Projekt einzustellen. Geblieben ist nur der Mythos dieses Flugzeugs.

Das Modell
Das tragische Ende des einzigen Pond Racers hat natürlich nicht zu bedeuten, dass auch Modellnachbauten so enden müssen. Manfred Topp hat einen Nachbau konzipiert, der sich trotz aller Komplexität im Aufbau, Handling und Betrieb relativ einfach fliegen lässt, vorausgesetzt, beide Motoren laufen zuverlässig. Und durch die Voll-GfK-Konstruktion lässt sich das Modell relativ schnell aufbauen. Allerdings sind die Formen in die Jahre gekommen und werden nach und nach erneuert, um den Qualitätsansprüche bei ACR-Composite zu entsprechen. Aus diesem Grund wird die Maschine lagermäßig nicht vorgehalten, sondern nur auf Bestellung gefertigt.

Um ein so komplexes Modell auch bestmöglich herstellen zu können, wurden für sämtliche Gewebeeinlagen in den Formen entsprechende Schablonen hergestellt. Die Forderung nach Festigkeit ist bei einem Rennmodell unabdingbar. Dabei darf aber das Gewicht nicht aus den Augen gelassen werden. Abfluggewichte von unter 20 kg sollten ohne großen Aufwand realisierbar sein.

Eine Bauanleitung gibt es nicht; lediglich eine Dreiseitenansicht gibt Auskunft über Schwerpunkt und Ausschläge der Ruder. Eigentlich braucht man auch nicht mehr, denn das Modell lässt sich sofort zusammenstecken, die Einbaupositionen der RC-Komponenten sind selbsterklärend, und der Rest ergibt sich aus der mitgelieferten CD mit vielen Bildern über Detaillösungen sowie aus vielfältigen Informationen aus dem Internet. Zudem setzt das Modell trotz seiner unproblematischen Flugeigenschaften aufgrund der Gesamtkomplexität Erfahrungen im Großmodellbau voraus.

 Die Tanks aus schlanken PET-Flaschen sind ideal, da in die Rümpfe die sonst großen und dicken Tanks aus Platzmangel nur schwer zu integrieren sind.

Die Tanks aus schlanken PET-Flaschen sind ideal, da in die Rümpfe die sonst großen und dicken Tanks aus Platzmangel nur schwer zu integrieren sind.

Die Komponenten
Alle GfK-Teile zusammen wiegen ca. 7 kg. Stützrippen, Verschraubungen, Steckungen und deren Führungen, Spanten etc. bringen das Bausatzgewicht auf insgesamt knapp 11,5 kg. Alle Stützrippen und darin gelagerte Steckungen sind herstellerseitig passgenau eingebaut, ebenso die Torsionsstifte mit Gegenlagern. Auch die Einschlagmuttern für die gegenseitigen Verschraubungen der einzelnen Bauteile zueinander waren exakt in ihren Positionen.

Seiten- und Höhenruder liegen in Hohlkehlen und werden mit GfK-Stiften angebracht. Im Seitenflossenabschluss sind die Schlitze für die Stifte eingebracht, in der Höhenflosse muss das noch vorgenommen werden. Die Querruder sind an den Flächen schon in der Form mit Gewebeband angeschlagen. Hier gibt es aber m. E. noch Nachbesserungsbedarf für die Folgeformen: Die Ruder gingen extrem schwergängig, und der Ausschlag war eher dürftig; es musste nachgeschliffen und nachgefräst werden. Der Anschlag an der Oberseite der Fläche sieht gefällig aus, auf der Unterseite aber zeigt sich bei Ausschlag ein hässlicher Spalt, der so gar nicht zum sonst sehr guten Gesamteindruck passte. Abhilfe ist aber leicht geschaffen: …

Den ausführlichen Bericht lesen Sie in der Ausgabe 5/2013 des MFI Magazins