MFI Scale-Dokumentation – Best Off Skyranger

Ein Leichtgewicht aus dem Baukasten

Bei den leichten zweisitzigen Flugzeugen ist in den letzten Jahren einiges in Bewegung geraten. Den ersten Versuchen mit motorisierten Drachen und Gleitern folgten in den 1980er Jahren Leichtflugzeuge im wahren Wortsinne. Mit geschlossenen Kabinen, ansprechenden Flugleistungen und gutmütigen Flugeigenschaften entstand eine Klasse der Ultraleichtflugzeuge, die den etablierten Cessnas und Pipers in vielen Bereichen zu ernsthafter Konkurrenz wurde.

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Wurzeln in Toulouse
Der Franzose Philippe Prevot entwickelte Hochleistungsdrachen und in den 1990er Jahren mehrere Ultraleichtflugzeuge in Rohr-Tuch-Bauweise. Der Jet Ranger ist ein zweisitziger, abgestrebter Hochdecker mit Tandemsitzanordnung, während der ebenfalls zweisitzige Skyranger nebeneinander liegende Sitze hat. Die ersten Ideen zu diesen beiden Flugzeugentwürfen entstanden im Rahmen von mehreren Studien, die von Flugschulen, den französischen Luftfahrtbehörden und der renommierten École nationale supérieure d’ingénieurs de constructions aéronautiques (ENSICA) durchgeführt wurden.

Neben guten Flugleistungen und gutmütigen Flugeigenschaften stand eine einfache, wartungsfreundliche Bauweise im Pflichtenheft des Konstrukteurs, die konkreten Entwurfsanforderungen lauteten: Aufbau des Flugzeugs aus einem Bausatz in wenigen Wochen von zwei Personen und Prüfung und Wartung von einem Amateur ohne professionelles Know How mit einfachem Werkzeug. Beide Entwürfe entstanden 1991, der Erstflug fand im Jahre 1992 statt.

Rohr-Tuch-Bauweise
Prevot entschied sich für eine ungewöhnliche Bauweise mit fast ausschließlich geraden Rohren. Die meisten Bauteile bestehen aus hochfesten Aluminiumlegierungen in Luftfahrtqualität. Beim Bausatzhersteller entstehen die entsprechenden Bohrungen auf CNC-gesteuerten Maschinen. Für besonders hoch belastete Strukturelemente kommt rostfreier Stahl zum Einsatz. Die Schraubenverbindungen bestehen aus Standardbolzen und selbstsichernden Muttern. Die Montagetechnik ermöglicht auch unter Amateurbaubedingungen eine reproduzierbare Fertigungsqualität. Weiterhin garantiert diese Bauweise eine einfache Inspektion und Wartung des fertiggestellten Fluggeräts, einfache Reparaturmöglichkeiten und ausgezeichnete Festigkeitseigenschaften bei geringem Gewicht. Das Fachwerk der verschraubten Rohre bietet den Insassen eine hohe passive Sicherheit. Nachteilig wirkt sich aus, dass die Formgebungsmöglichkeiten eingeschränkt sind, das fertige Flugzeug verfügt über einen eher kantigen Charme. Ein wenig kaschiert wird das Ganze durch die GfK-Verkleidungsteile im Bereich der Motorverkleidung und an den Randbögen.

Auch bei der Konstruktion der Tragflächen ging Philippe Prevot einen ungewöhnlichen Weg und übertrug die beim Drachen bewährte Technologie der rippenlosen Tragfläche auf das Dreiachsflugzeug. Das Tragflächenprofil entsteht durch profilierte Aluminiumlatten, eingeschoben in die Taschen des Bespannstoffs. Das Profil wurde im Jahre 1994 im Windkanal mit »gewöhnlichen« Profilen verglichen. Obgleich es, besonders an der Unterseite, unter Last spürbar seine Form verändert, verhält es sich im Wesentlichen wie das NACA 2412.

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in der Ausgabe 5/2016 des MFI Magazins.

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