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Messerschmitt Me 110 – Zweimotoriger Warbird für jedermann?

Eingereicht

Am Heimatflugplatz unseres Autors Markus Prager fliegt eine kleine Staffel WW II-Warbirds aller Nationen mit einer Spannweite von140 bis 160 cm – alle natürlich elektrisch motorisiert und nicht ganz langsam. Die brandneue Messerschmitt Me 110 mit 150 cm Spannweite aus dem Programm des schweizer Schaumspezialisten Ready2fly passt dort perfekt dazu. Ob ein günstiges Schaummodell die hohen Erwartungen dieser kleinen Staffel hinsichtlich Qualität, Steigleistung, Geschwindigkeit und Flugzeit erfüllen kann, soll dieser ausführliche Test zeigen.

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An einem sehr frühen Samstagmorgen steht die Me 110 auf unserer frisch gemähten Startwiese und kann es kaum erwarten, Luft unter die Flügel zu bekommen. Die Staffelkameraden schlafen noch, und somit steht einem ruhigen und konzentrierten Erstflug nichts entgegen. Der Xtron 4s/3600 von Stefans LiPo-Shop ist vollgeladen und befeuert die beiden 105 g leichten Außenläufer mit einer Startspannung von 15,4 Volt. Nach dem letzten Rudercheck und ohne ausgefahrene Landeklappen wird der Gashebel langsam auf Volllast geschoben. Zügig beschleunigt die Maschine; die leichte Ausbrechtendenz nach links kann mühelos mit dem Seitenruder ausgesteuert werden, und nach 15 Metern steigt das Modell mit sonorem Zweimotorsound in den Himmel. Ein paar Klick Höhe und Seite nach links, und die Me 110 zieht souverän ihre Runden; sie vermittelt solch eine Sicherheit, dass direkt das Hauptfahrwerk eingefahren wird. Dabei nimmt die Höchstgeschwindigkeit nochmal merklich zu, das war so eher nicht zu erwarten.

Der Kohleholm mit 12 mm Durchmesser wird direkt in das EPP geschoben und ragt recht weit in den Flügel.

Der Kohleholm mit 12 mm Durchmesser wird direkt in das EPP geschoben und ragt recht weit in den Flügel.

Nachdem die Telemetrie nach 3.000 verbrauchten mAh langsam zur Landung mahnt, merke ich erst, wie schnell die Zeit verging – dabei habe ich das Überziehverhalten noch gar nicht getestet … Na ja, die Me signalisiert so viel Sicherheit, also Fahrwerk raus und Landeklappen auf ca. 60° ausgefahren (ohne Tiefenruderzumischung), im Landeanflug nochmal ein wenig Höhe getrimmt, und nach gradlinigem Anflug setzt die Me weich im frisch gemähten Gras auf, herrlich!

Nach diesem vorweggenommenen Blick auf einen begeisternden Erstflug kommen wir nun zum praktischen Teil, der aber nicht weniger spannend sein muss.

Die Propeller rasten in die Spinnerrückplatte ein, der Spinner wird mit einer Zentralschraube auf den Mitnehmer geschraubt und rastet ebenfalls in der Spinnerrückplatte ein. Die komplette Einheit läuft sehr exakt.

Die Propeller rasten in die Spinnerrückplatte ein, der Spinner wird mit einer Zentralschraube auf den Mitnehmer geschraubt und rastet ebenfalls in der Spinnerrückplatte ein. Die komplette Einheit läuft sehr exakt.

Der erste Blick
… bereitet bereits Freude. Die wesentlichen Bauteile sind in Folien verpackt und sauber auf mehrere Kartons verteilt, alles bestens gegen Beschädigungen geschützt. Der EPP-Schaum ist recht glatt, und alle Teile passen sehr gut zusammen. Der Lack hat eine gute Haftkraft, ist aber an den Trennstellen/Kanten der Motorhaube zum Flügel sehr knapp aufgetragen. Hier wäre es wünschenswert, dem Modell eine kleine Menge Farbe beizulegen, um eventuell nachbessern zu können.

Ein Highlight ist eindeutig die Anlenkung der beiden außenliegenden Seitenruder. Von einem Winkelhebel im Rumpfheck verlaufen zwei Schubstangen verdeckt an der Unterseite des Höhenleitwerks zu den beiden Seitenrudern. Im Seitenruder selbst ist ein Kunststoff-Spritzteil mit einem Ruderhorn eingegossen, in dem das Ende des Anlenkungsdrahts eingehängt wird. Die komplette Anlenkung ist funktionell und unauffällig – besser kann eine solche Doppelanlenkung kaum ausgeführt werden! Das Höhenruder ist ebenfalls verdeckt im Rumpf angelenkt.

Die mit 102 g sehr leichten und mit 0,2 mm dünnen Statorblechen ausgestatteten Antriebsmotoren sind sehr gut mit den 10 x 7 Zoll großen Dreiblattpropellern abgestimmt.

Die mit 102 g sehr leichten und mit 0,2 mm dünnen Statorblechen ausgestatteten Antriebsmotoren sind sehr gut mit den 10 x 7 Zoll großen Dreiblattpropellern abgestimmt.

Der Rumpf ist äußerst schlank, das Akkufach in der Rumpfspitze jedoch alles andere als üppig. Die beiden beigelegten Piloten mit gesamt 62 g machen sich später im Cockpit unter der leichten Rauchglaskanzel ganz gut; ein MG für den Heckschützen rundet den optischen Eindruck ab.

Beim Begutachten der Antriebseinheit bleibt das Grinsen im Gesicht erhalten. Brushless-Motoren mit 0,2 mm dünnen Statorblechen, eine 5 mm dicke Motorwelle, da verbiegt sich auch bei einem Kopfstand nichts so leicht. Die Alu-Propellermitnehmer haben einen Klemmkonus und sind sehr genau gedreht, die Luftschrauben (10 x 7 x 3) haben auf der Rückseite Aussparungen, die exakt in die Spinnerrückplatte greifen bzw. fast schon einrasten. Die mit einer M2-Zentralschraube befestigten Spinner runden auch das technische Gesamtbild sehr positiv ab. Die Motorhauben werden mit je zwei starken Magneten am Flügel gehalten – eine sehr wartungsfreundliche Konstruktion. Ein weiteres Highlight sind die Klappen des Hauptfahrwerks aus Kunststoffspritzguss: Ein Bügel am Hauptfahrwerk läuft über eine Art Kulisse und drückt dabei die Klappen auf; geschlossen werden sie durch je zwei Torsionsfedern pro Klappe.

Die Motorhauben sind wartungsfreundlich mit zwei Magneten am Flügel befestigt. Die kurzen Auspuffrohre sind hinsichtlich Gewichtseinsparung hohl gegossen.

Die Motorhauben sind wartungsfreundlich mit zwei Magneten am Flügel befestigt. Die kurzen Auspuffrohre sind hinsichtlich Gewichtseinsparung hohl gegossen.

Die analogen 9-g-Servos (sechs Stück im Modell) sind spielfrei und haben eine gute Rückstellgenauigkeit. Aufgrund der Erfahrung und vielen Ruderkraftberechnungen bei ähnlich gelagerten Modellen wurde auf eine Berechnung der Ruderkraft verzichtet.

Vorsicht

… ist bei der Montage des Modells hinsichtlich der zu verwendenden Schrauben geboten – man kann sie sehr leicht verwechseln. Die Längenunterschiede liegen nur im mm-Bereich, und im Durchmesser unterscheiden sie sich gerade mal 3/10 mm (2,0 zu 2,3). Da ist der Einsatz eines Messschiebers angeraten. Die Schrauben mit Holz- bzw. Blechgewinde werden in der Bauanleitung mit PA2x8, PA2x6, PA2,3×6, PA2x15 bezeichnet, der Schraubentyp mit metrischem Gewinde mit PM2x6.

Die beiden Regler, der Graupner-Empfänger GR-24 und  das Electric Air-Modul passen problemlos in  den Flügel­mittelteil.

Die beiden Regler, der Graupner-Empfänger GR-24 und das Electric Air-Modul passen problemlos in den Flügel­mittelteil.


Montage 

• Die Bauanleitung ist auf einer Seite DIN A3 mit 24 kleinen Bildern mit deutscher Beschreibung gedruckt; das ist völlig o.k. Wenn die Bauanleitung auf dem Basteltisch liegt, ist alles perfekt im Blick; zudem sind die Bilder sehr detailreich fotografiert. Weitere DIN A4-Anleitungen über Reglerprogrammierung, Ruderausschläge, Schwerpunkt und Mode-Einstellungen (1 und 2) runden das Bild ab – hervorragend!

Unser Autor kann sich nicht mehr vorstellen, ohne Telemetrie zu fliegen. Man kann ein Durchstarten samt Platzrunde vermessen und weiß dann ganz genau, ob man noch Energie für eine weitere Landung hat.

Unser Autor kann sich nicht mehr vorstellen, ohne Telemetrie zu fliegen. Man kann ein Durchstarten samt Platzrunde vermessen und weiß dann ganz genau, ob man noch Energie für eine weitere Landung hat.

• Begonnen wurde mit dem Zusammenbau von Seiten- und Höhenruder. An der Unterseite des Höhenleitwerks ist jeweils für links/rechts eine Bowdenzughülle integriert; in diesen laufen die beiden 1,2 mm an einem Ende abgekröpften Stahldrähte. Diese werden zuerst in ein Kunststoff-Spritzgussteil an den beiden Seitenrudern eingehängt und dann verschraubt. Zum Schluss werden sie an einem 90°-Hebel im Höhenruder verklemmt und von einem Kunststoffteil abgedeckt, das auch das Höhenruder befestigt. Perfekt!

• Wie bei mehr oder weniger allen Schaumwaffeln, sind auch bei der Me 110 die Rudergestänge ganz außen an den Servos eingehängt. Da dies bei reduziertem Servoweg zu einer relativ schlechten Rückstellgenauigkeit führt, wurden die 0,8-mm-Löcher in der Mitte der Servoarme auf 1,2 mm aufgebohrt und die Rudergestänge wesentlich weiter innen eingehängt.

• Der Flügelholm wird direkt ohne Zwischenrohr in den Flügel aus EPP gesteckt. Die Passung ist sehr eng. …

Fazit
Die Me 110 von ready2fly passt wunderbar in unsere kleine WW II-Staffel und kann überraschenderweise von der Geschwindigkeit her gut mithalten. Das hatte ich so nicht erwartet und war eigentlich darauf eingerichtet, den vorbildgetreuen 3-Blatt-Propeller gegen einen schnelleren Zweiblatt austauschen zu müssen. …

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in der Ausgabe 12/2014 des MFI Magazins.