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GyroBot 800 Wing – Vom Erfinder der Dreiachs-Lageregelung für Flächenmodelle

Eingereicht

Falls Sie, liebe Leser, diese Überschrift reißerisch finden, war das durchaus mein Plan! Ich bemühe mich in meinen Berichten ja wirklich um Ernsthaftigkeit und Sachlichkeit, um kritische Distanz, doch dieser Kreisel hat mich – und nicht nur mich – schlicht vom Hocker gehauen, im positiven Sinne natürlich! Aber erst mal alles auf Anfang und die Vorgeschichte:

GyroBot-800-Wing_1Kreisel in Flächenmodellen habe ich bereits 1985 eingesetzt, hier vorzugsweise in Schleppmaschinen. Das waren noch die frühzeitlichen echten mechanischen Kreisel; eigentlich für Hubschrauber konzipiert, wurden sie seinerzeit adaptiert für Flächenmodelle. Mehr oder weniger war das alles erfolgreich, aber auch mit einer Menge an Nachteilen wie Servoverschleiß, Stromverbrauch und dergleichen behaftet – zumal die Kreisel seinerzeit noch richtig was wogen und auch nicht gerade klein waren.

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Der Lieferumfang; auf der CD befindet sich das Programm »Cockpit-Simulator«, mit dem der GyroBot 800 Wing per PC programmiert werden kann.

Machen wir einen Zeitsprung und lassen alle Zwischenentwicklungen einfach mal aus, nicht jedoch ohne die sich derzeit am Markt befindlichen »Dreiachser« mitzubetrachten. Durch meine Kontakte zur Jet-Szene und regelmäßige Besuche der Jet-Power-Messe war mir schon vor Jahren der GyroBot 900 Wing/Jet aufgefallen. Dieser Gyro arbeitet mit einem Staudruckrohr und misst folglich die echte Geschwindigkeit, englisch »true airspeed«. Gegenüber GPS-Systemen ist das meiner Ansicht nach der einzig richtige Weg, denn das GPS ist fehlerbehaftet durch Winkelfehler und ohne Berücksichtigung der Windkomponente.

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Die Su 29 von SebArt (200 cm Spannweite, Motor Axi 4345/22, 10s-LiPo) diente der
Erprobung des GyroBot 800 Wing.

GyroBot 800 Wing
Ich darf hier durchaus mal die Werbung zitieren, denn was dort propagiert wird, ist schon so in Ordnung: »Der GyroBot 800 Wing ist die Synthese aus den Erfahrungen der letzten vier Jahre. Er ist der kleine Bruder des GyroBot 900 Wing und für alle ­Piloten geeignet, die eine perfekte 3-Achs-Fluglageregelung möchten, aber ein Minimum an Installations- und Programmieraufwand bevorzugen.« Stimmt alles, doch zuerst muss die wirklich gut gemachte Bedienungsanleitung gelesen werden, dann ist wirklich alles ganz einfach.

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Der Einbau im Modell; hier ist darauf zu achten, dass der GyroBot parallel zu den drei Steuerachsen ausgerichtet ist.

Das Einsatzspektrum
Das ist weit gefasst und reicht laut Hersteller von Anfänger-Anwendungen über sauberer Kunst- und 3D-Flug oder F-Schlepp über jegliche Art des Segelflugs bis hin zu Segler mit Aufsatz- oder Klapptriebwerk (kein Nickmoment mehr beim Start!) usw. Vor allem Letztgenanntes ist ein interessanter Aspekt. Nicht geeignet ist der GyroBot 800 Wing ausdrücklich für Jets mit Gasturbine; hierfür gibt es demnächst den GyroBot 800 Wing/Jet.

Empfohlene Servos
Ideal sind alle hochwertigen Marken-Digitalservos mit Geschwindigkeiten unter 0,1s/45°. Für den Großteil der Anwendungen funktionieren jedoch auch einfachere Servos relativ gut. Je schneller, präziser und stärker ein Servo ist, desto besser die Regelung. Die Servos werden ja durch den Regeleingriff ständig bewegt (das ist beim Fliegen ohne Kreisel nicht so!), deshalb ist auch die mechanische Beanspruchung merklich höher, was aber alle modernen Servos problemlos vertragen.

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Startbild und Softwareversion werden gut lesbar angezeigt.

Einbau im Modell
Das Gerät muss auf einem Brett im Rumpf mit dem beiliegenden Original-Klebepad, positionsrichtig (Gehäusekanten parallel zu den drei Hauptachsen) und in der Nähe des Empfängers montiert werden; zur Verbindung von Empfänger und GyroBot liegen Patchkabel bei. Die Steckerleiste des GyroBot muss dabei in Flugrichtung nach vorne oder hinten zeigen, keinesfalls quer dazu!

Grundsätzliches
Nachdem am GyroBot alles an den vorgesehenen Steckplätzen angeschlossen ist (hier bietet der GyroBot mehrere Möglichkeiten: Standardmodell mit Kreuz- oder T-Leitwerk, Delta mit zwei oder vier Klappen usw.), kann es an die Programmierung gehen. Auch wenn das Modell bereits vorher ohne Kreisel geflogen wurde, ist nun im Sender ein neuer und vor allem leerer Modellspeicher auszuwählen!

1.) Leeren Speicher aufrufen, alle Werte auf null.
2.) Alle Mischer deaktivieren.
3.) Servowege für Höhe, Seite und QR auf ± 100 % stellen.
4.) Alle Trimmungen exakt auf null stellen.
5.) Dreifach-Schalter für Flugphasenumschaltung sowie Schiebe- oder Drehregler für RC-Gain im Sender festlegen.
6.) Wirkrichtungen kontrollieren und evtl. für alle drei Achsen im Sender umpolen.

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Modellauswahl – also V-Leitwerk, Delta usw.

Mechanische Einstellungen und Programmierung
Wie bereits oben angeführt, werden sämtliche Einstellungen am GyroBot vorgenommen, also Servowege, Neutralstellungen, Differenzierungen etc. Nur die Wendigkeit des Modells stellt man mit dem Servoweg im Sender für die jeweilige Achse ein.

Beim Programmieren gibt es zwei Möglichkeiten, einmal über den PC mit USB-Interface-Kabel und dann über die Cockpit-Programmierbox. Für mich war die Sache klar, denn die Programmierbox ist handlich und klein genug, um sie immer dabei zu haben – und somit kann man Änderungen sofort auf dem Flugfeld vornehmen. Dabei ist ein Blick auf die Menüstruktur in der Anleitung sehr hilfreich und eigentlich selbsterklärend.

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in der Ausgabe 3/2014 des MFI Magazins.