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Fokker E.III – Klassischer Holzbausatz in 1 : 6 von AerodromeRC

Eingereicht

Als »Fokker-Plage« berühmt geworden, war der Fokker-Eindecker das erste ernstzunehmende Kampfflugzeug des Ersten Weltkriegs. Der militärische Erfolg des ab 1915 im Fronteinsatz befindlichen Flugzeugs lag vor allem am damals erstmaligen Einsatz eines mit dem Motor synchronisierten MGs und den von Piloten wie Immelmann und Boelke erdachten und praktizierten neuen Flugmanövern und Luftkampftaktiken.
Die Flugzeuge der Fokker-E-Serie (E.I bis E.IV) stellen Versionen eines einsitzigen und drahtverspannten Mitteldeckers dar, der durch einen Neunzylinder-Oberursel-Umlaufmotor angetrieben wurde. Die Steuerung erfolgte über Pendelruder und Tragflächenverwindung. Das hier nachgebaute Modell entspricht der meistgebauten Variante E.III im Maßstab 1 : 6. Als konkrete Vorlage diente mir die 105/15, jene Maschine, die Udet 1916 flog und zu der ich im »Winsock Datafile 15« und im Internet einige brauchbare Details fand.

Das Modell der Fokker E.III

Der Rohbau des 1 : 6-Modells entstand aus einem Holzbaukasten von AerodromeRC, einer amerikanischen Firma, deren vorbildähnliche Modelle in Deutschland lange Zeit von AerodromeRC Deutschland vertrieben wurden; leider wurde das Geschäft zum Januar 2012 aufgegeben, so dass diese Bausätze nur noch direkt in den USA (www.aerodromerc.com) bezogen werden können. Das Modell hat eine Spannweite von 178 cm, ist 135 cm lang und hat ein Startgewicht von ca. 2 kg. Seiten- und Höhenleitwerk sind als Pendelruder ausgelegt und werden wie beim Original mittels Drahtseilen angelenkt. Die Tragflächenverwindung wird durch verdeckte Endleisten-Querruder nachempfunden.

Bau des Modells

Das Modell ist klassisch komplett aus Holz aufgebaut. Der Baukasten enthält die für einen Rohbau notwendigen CNC-lasergeschnittenen Balsa- und Sperrholzteile von guter Qualität. Die Bespannung liegt nicht bei und muss mit dem Material eigener Wahl erfolgen. Ich entscheide mich hier immer für Icarex, ein sehr leichtes Polyestermaterial aus dem Drachenmodellbau, das eine stoffartige, gewebte Oberfläche aufweist und mittels Wärme schrumpfbar ist. Geordert habe ich ein Short Kit für ca. 165 US-Dollar, bei dem die Tragflächen ein vorbildähnliches Hohlprofil aufweisen und dem eine Vorrichtung zum Bau von Speichenrädern beiliegt. Es gibt den E.III-Bausatz auch als vereinfachte Version (EZ) mit gerader Rippenunterseite und ohne Radbausatz für ca. 135 Dollar.
Dem Short Kit liegen die Baupläne, eine englischsprachige, bebilderte Bauanleitung und Reifenmaterial bei. Nicht enthalten sind allerdings Kiefernholme, Beplankung, Stahldrähte und Ruderscharniere – Dinge, von denen angenommen wird, dass sie ein erfahrener Modellbauer wohl ohnehin im Fundus hat. Das mag zwar stimmen, erweist sich aber aufgrund der zölligen Maße des US-Baukastens an manchen Stellen schon als problematisch. Das bemerkt man spätestens dann, wenn nicht beinhaltete metrische Bauteile an zöllige Fräsungen angepasst werden müssen.

Der Rumpf entsteht – alles im klassischen Holzbau!

Mit dem Baukasten gelingt ein Rohbau des Modells, das ich um eine Vielzahl von Details erweitert habe, um zumindest ein vorbildähnliches Aussehen zu ermöglichen. Zur Steuerung des Modells werden Seiten-, Höhen- und Querruder angelenkt. Insgesamt komme ich mit vier Servos (Dymond D200BX DD) aus. Die Anlenkung für die Heckleitwerke erfolgt über Stahlseile, die Servos befinden sich ganz vorn im Rumpfbug. Die Querruderservos sitzen verdeckt im Flügel und wirken direkt über kurze Schubstangen. Das Modell ist dreiteilig demontierbar: der Rumpf mit Leitwerk und zwei ca. 80 cm lange Flügelstücke. Das Fahrwerk ist prinzipiell auch steckbar ausgeführt und könnte zum Transport abgenommen werden.

Der Rumpf

Er besteht im vorderen Teil aus einem Balsa-Sperrholz-Sandwich und aus einem hinteren Fachwerkteil. Die Stoßstellen des 6 x 6er Balsaleisten-Fachwerks sind durch aufgeklebte Sperrholzteile verstärkt, die Führungsbohrungen für eine zusätzliche Fadenverspannung besitzen. Ich habe hier doppelten Zwirn (100% Polyester) zur inneren Verspannung eingesetzt. Der Rumpf wird, vor allem durch diese Verspannung, recht fest und verwindungssteif. Man sollte aber im hinteren Bereich nicht zu fest zupacken, sonst drückt man die Balsaleisten ein. Würde ich noch einmal bauen, würde ich diese Balsaleisten daher von vornherein durch Kiefernleisten ersetzen. …

Einen ausführlichen Bericht über weitere technische Merkmale, Montage und Flugerfahrungen  lesen Sie in der Ausgabe 09/2012 des MFI Magazins.

Summa summarum
Die Bauzeit inklusive aller Details betrug ca. vier Monate. Vom Bauaufwand her würde ich die AerodromeRC-Fokker E.III einem Holzbausatz-erfahrenen Modellbauer, vom Fliegen her bereits einem querruderkundigen, fortgeschrittenen Anfänger empfehlen. Als Nachteil ist allenfalls anzusehen, dass das Modell in den USA bestellt werden muss. Aber wer weiß, vielleicht findet sich wieder ein deutscher Vertreiber für diese schönen Holzbausätze?!

Uwe Hübner