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Déjà-vu Bergfalke: Die Mü 13e von Pichler

Und es war Sommer, um genau zu sein, Sommer 1967. Meine Eltern hatten ein Grundstück in Rothschwaige bei Dachau gekauft. Von der Wohnung zum Bauplatz wurde geradelt: Papa strampelte, und ich hatte meinen Logenplatz auf dem Kindersitz – mit bester Aussicht auf den Segelflugplatz, der nur wenige hundert Meter vom künftigen Domizil entfernt war. Das sollte prägend für mein späteres Verhältnis zum Modellfliegen allgemein und zum »Bergfalken« im Speziellen sein!

Später dann, vom Garten unseres neuen Hauses aus, konnte ich bei Flugwetter die beiden L-Spatz, den Bergfalken und ein Jahr später auch den ersten B-Falken über dem Ort kreisen sehen. Es dauerte nicht lange, dann mussten meine Eltern an den Wochenenden nicht lange nach mir suchen: Sobald ich den ersten Segler über dem Haus sah, schnappte ich mein Kinderrad und strampelte zum Flugplatz. Ein Nachbar war dort aktiv. Meinen ersten Segelflug erlebte ich bald danach als Passagier im Bergfalken.

Zum Pilotenschein hat’s bei mir leider nie gereicht, der Modellflug musste als Ersatz herhalten. Es dauerte einige Jahre, bis ich einen Nachbau meiner »alten Liebe« fand. Von Hegi gab es in den 1960ern einen Holzbausatz; und Gewalt hatte einen Großsegler mit GfK-Rumpf und Sandwich-Flächen. Für mich zu groß. Und das Scale-Modell im Maßstab 1 : 2,5 von Arnold Hoffmann (MFI 6/11) sprengt meinen Rahmen erst recht in jeglicher Hinsicht. Die Suche hatte ein Ende, als ich im März 2011 auf der Faszination Modellbau in Karlsruhe auf dem Stand von Pichler eine wunderschöne Mü 13e in teilbeplankter Holzbauweise sah.

Gut, beim Aeroclub Rothschwaige flog damals ein »Hybrid«. Rumpf und Leitwerk stammten vom Bergfalken III, die Flächen vom Nachfolger IV. Von der Urversion, die Egon Scheibe (wegen des Flugverbots in Deutschland) in Tirol gebaut hatte, der Mü 13e, unterscheiden sich die späteren Varianten auf den ersten Blick durch die geblasene Kabinenhaube und einen etwas rundlicheren Rumpf. Aber für mich war sofort klar: Das Modell muss her!

Ein altes Dia vom Rothschwaiger Bergfalken hatte ich im Familienarchiv gefunden. Die Kennung und den Werbeschriftzug der Sparkasse konnte ich darauf noch gut erkennen. Auch die rot-weiße Lackierung. Das Modell im Design des Originals zu gestalten, wäre prinzipiell möglich gewesen, denn Pichler bietet seine Mü 13e auch unbespannt an, außerdem mit weißer Oracover-Folie fertig bebügelt und mit rot abgesetzten Streifen in der »Österreich«-Version. Da für mich bei einem Oldtimersegler nur eine Oratex-Bespannung in Frage kommt, wählte ich nach Rücksprache mit Herrn Pichler die »Antik-Variante«. Sein Hinweis auf die Schmutzempfindlichkeit einer weißen Stoffbespannung gab den Ausschlag. Da ja auch die Version des Modells nicht mit der Baureihe »meines« Originals übereinstimmt, war das für mich akzeptabel. Den Dekorbogen meines Bergfalken habe ich am PC selbst entworfen und von der WEPA Werbepartner GmbH auf Orastick-Folie ausplotten lassen. An dieser Stelle auch einen herzlichen Dank an die Sparkasse Dachau für die unbürokratische Zusendung der Datei für das Logo.

Das Modell

Wenige Tage nach der Bestellung stand der Paketbote vor der Tür. Er wundert sich schon lange nicht mehr, wenn er riesengroße Kartons, die fast nichts wiegen, bei uns anliefert. Dieses Mal hat er mir ein besonderes Schmuckstück gebracht. Der Rumpf wie auch die Flächen und Leitwerke sind supersauber aus lasergeschnittenen Holzteilen aufgebaut, mit Oratex zweifarbig bespannt und teilweise rot lackiert. Extrem leicht und dank intelligentem Fachwerk dennoch schön stabil. Ein paar Kleinteile in guter Qualität und eine englischsprachige Bauanleitung mit vielen SW-Fotos sind auch noch im Karton. Ein Carbon-Holm und der Dekorbogen fehlen ebenfalls nicht. Prima. Ein kleines Highlight sind die beiden, schon bemalten, Pilotenbüsten. Die sind zwar nicht gerade leicht. Aber da zu erwarten ist, dass vorne ohnehin einiges an Ballast rein muss, ist das zu verschmerzen. Die Bespannung ist sehr sauber ausgeführt, wobei man ein wenig nachföhnen muss. Nicht weiter tragisch.

Benötigt werden noch drei Profi Digi-Servos für das Höhen- und Seitenruder sowie die Schleppkupplung. In die Flächen kommen zwei Polo Digi 4 von Multiplex. Einzubauen sind noch ein Empfänger und ein dicker Akku – ich will ja lieber Kapazität als Blei spazieren fliegen. Mittlerweile gibt es von Pichler noch Störklappen als Sonderzubehör, die mir für diesen Bericht jedoch noch nicht vorlagen…

Einen ausführlichen Bericht über weitere technische Merkmale, Montage sowie Flugerfahrungen  lesen Sie in der Ausgabe 08/2012 des MFI Magazins.

Fazit
Was lange währt: Manchmal werden Träume Wahrheit, zumindest in der modellmäßigen Umsetzung. Ebenso traumhaft ist das Flugbild dieses Bergfalken von Pichler. Wer großräumiges, originalgetreues Segelfliegen mag, wird an diesem Modell viel Freude haben. Es ist mit 280 cm Spannweite noch einigermaßen kompakt, wirkt aber sowohl am Boden als auch in der Luft viel größer, voluminöser.

Die Mü 13e ist nichts für Adrenalin-Junkies und Speedfreaks. Wer dagegen auf Slow-Food steht und stundenlange Thermikflüge genießen will, wird begeistert sein.

Robert Hill