Aus der Redaktion

Hier finden Sie Interessantes, Wichtiges, Hintergründiges, Literatur, Multimedia und mehr ...

szene

Treffpunkte, Kontakte, Meinungen, Erfreuliches, Ärgernisse - was ist los in der Modellbauszene...

archiv

Sie haben einen Bericht verpasst oder möchten einfach in alten Ausgaben stöbern…

Home » Aus der Redaktion

Das Modellporträt – Avro Lancaster Mk I

Eingereicht

Vier Mal Laser-Power

»Wenn eine Viermotorige fliegt, gehen wir sofort aus dem Zelt und schauen zu!«, stellte Helmut Gehle in den 1990er Jahren fest, als Jan Hermkens mit der »Fliegenden Festung« B-17 im niederländischen Eibergen einen Europa-Star-Cup-Wettbewerb bestritt. Mit seinen Modellen Short Sunderland (4 x 6,5-ccm-Zweitakter) und später der B-17 (4 x 11-ccm-

_Lancaster-6

Laser-Viertakter) beherrschte Jan damals die ESC-Szene eindeutig, gewann die Jahreswertung mindestens sechsmal hintereinander und durfte die 26 kg schwere, handgefertigte Trophäe endgültig behalten. Viele hatten damals den Eindruck, Jan Hermkens nur mit einem ebenfalls viermotorigen Modell Paroli bieten zu können.

In der Bugsektion schützt die Doppellafette vor Frontalangriffen. Darunter hatte der Bombenschütze seinen Platz. Im Oberdeck befindet sich das Cockpit für Piloten, Flugingenieur und Navigator. Alle Nieten und Blechstöße sind penibel herausgearbeitet.

In der Bugsektion schützt die Doppellafette vor Frontalangriffen. Darunter hatte der Bombenschütze seinen Platz. Im Oberdeck befindet sich das Cockpit für Piloten, Flugingenieur und Navigator. Alle Nieten und Blechstöße sind penibel herausgearbeitet.

So entstanden Überlegungen zum Bau neuer, sehr aufwendiger Large-Scale-Maschinen. Als meines Wissens einziger Wettbewerbs­pilot setzte Helmut Gehle diese Idee in die Tat um und konstruierte ab 1997 im Maßstab 1 : 9 einen präzisen Nachbau der Avro Lancaster Mk I mit Einziehfahrwerk, öffnendem Bombenschacht und weiteren technischen Finessen. Bis auf das Fahrwerk, das Peter Wolf Senior als speziell gefertigtes Einzelstück beisteuerte, tüftelte Helmut alles selbst aus und baute die 3,45 Meter spannende Lancaster traditionell mit Pappelsperrholzrippen bzw. -spanten auf und beplankte anschließend mit Balsaholz. Besonders viele Arbeitsstunden beanspruchte die Holzversiegelung mit Imitation aller Blechstöße und Nieten.

Das Hauptfahrwerk wird über Spindeln aus- und  eingefahren. Überdimensionale Räder erlaubten beim Original besonders große Bombenlasten und Starts auf unbefestigten Rasenpisten. Beim Modell verursachen  sie einen beträchtlichen Widerstand.

Das Hauptfahrwerk wird über Spindeln aus- und eingefahren.

Solch immenser Aufwand lohnt sich eigentlich nur bei einem Urmodell für Negativformen und nachfolgender industrieller Vermarktung der Positive. Helmut tat sich das für sein Einzelexemplar trotzdem an und finishte seine »Lanci« schon vor dem Erstflug auf Wettbewerbsniveau. Die Premiere mit 11-ccm-Laser-Viertaktern verlief 2006 recht vielversprechend; fehlte nur noch der Querruder-Gyro zur Stabilisierung bei heftigem Flugwetter. Was den erhofften Wettbewerbserfolg absichern sollte, führte leider zum Fiasko: Die Lancaster driftete zunehmend um die Längsachse, war auch nach Trimmkorrekturen nicht mehr zu beherrschen und stürzte schließlich ab.Tief enttäuscht wurden die Überreste eingesammelt und im hintersten Keller verborgen.

 

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in der Ausgabe 5/2013 des MFI Magazins