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D.H. 82 Tiger Moth – ARF-Großmodell im Vertrieb von Schweighofer

Eingereicht

Die D.H. 82 Tiger Moth ist ein echter Klassiker unter den Modellflugzeugen. Es gibt sie in den unterschiedlichsten Maßstäben und Bauweisen, vom Holzteile-Bausatz bis aufgeschäumt, von vorbildähnlich bis super-scale. Die hier vorgestellte Maschine ist ARF. Das ist ja im Grunde nichts Ungewöhnliches; im vorliegenden Fall haben wir es jedoch mit einem riesigen, 250 Zentimeter spannenden Doppeldecker zu tun – und in dieser Größenordnung ist ARF nicht unbedingt alltäglich!

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Waren Großmodelle vor Jahren nur von Modellbauern zu realisieren, die über Erfahrung, viel Werkzeug und einen großen Fundus an Materialien verfügten, lassen sie sich in der heute üblichen ARF-Bauweise recht zügig aufbauen. Schweighofer hat den Trend der Zeit erkannt und bietet nun auch richtig große Modelle in ARF an. Die hier vorgestellte Tiger Moth ist eines davon. Das Modell stammt aus chinesischer Produktion und wird zu einem attraktiven Preis angeboten. Sie ähnelt in ihrer Bauweise der in MFI 7/2013 vorgestellten Fokker Dr. 1 in 1 : 3 aus gleicher Produktion – hier wird also nicht noch einmal erklärt, wie sich die Einzelteile ineinanderfügen. Auch sonst ist dies hier ein »etwas anderer« Erfahrungsbericht: Ich habe die Maschine meinem Modellfliegerkameraden Norbert Wanke übergeben und seine individuellen Erfahrungen zu Bau und Betrieb in Form eines Interviews zusammengefasst.

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Die Komponenten des ARF-Modells sind in einzelne Baugruppen zusammengefasst. Bis auf einen kleinen Transportschaden war alles von guter Qualität. Die Oberflächen zeigten keinerlei Falten oder Beulen und brauchten nicht nachgebügelt zu werden.

MFI: Norbert, du verfügst ja über eine gute Routine im Bau und Betrieb von Großmodellen; was hat dich an dieser Tiger Moth gereizt?

NW: Nun, spätestens als in dem Film »Jenseits von Afrika« mit Meryl Streep die Tiger Moth in den violetten Abendhimmel eintauchte und der Gipsy-Vierzylinder dazu den melancholischen Rhythmus hämmerte, war auch ich von dieser Maschine infiziert. Allerdings war mir ein Großmodell als Baukasten immer viel zu aufwendig, und ARF gab es bislang noch nicht für diese Modellgröße; so kam diese Tiger Moth von Schweighofer gerade richtig.

Allerdings trifft ARF wohl nur für kleinere und einfache Modellflugzeuge zu. Mit der Vorstellung, die große ARF-Tiger Moth von Schweighofer in wenigen Stunden flugfertig zu haben, muss man sich also verabschieden. Dennoch geht der Zusammenbau bei diesem Vorfertigungsgrad auf jeden Fall zügig. Dagegen ist ein traditioneller Baukasten ein Langzeitprojekt.

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Der Baldachin präsentierte sich eher von seiner schlichten Seite. Die Sperrholzkonstruktion war glatt und nur mit Folie bebügelt. Die originale Wellblechstruktur ist aber auch beim Modell ein markantes Merkmal der Maschine und wurde durch Aufbringen von eingefärbter Wellpappe nachgebildet. Die Festigkeit erhält die Struktur durch Spannlackauftrag.

MFI: So ein Großmodell in einem Karton zu verpacken ist ja schon eine Herausforderung. Wie kam denn die Kiste bei dir an?

NW: Ich war ein wenig irritiert, als ein vergleichsweise kleiner Karton bei mir ankam, und ich fragte mich: Kommt da denn noch ein zweiter mit den Flächen, oder so? Ich hatte mit einem XXL-Paket gerechnet, das gerade saugend durch die Haustür passen würde. Hier haben die Asiaten bei der raumsparenden Verpackung ganze Arbeit geleistet. Leider drückte eine Pappverstärkung auf das empfindliche Balsa-Cockpit. Zuerst schien der Schaden ärgerlich, ist durch den nachträglichen Ausbau des Cockpitbereichs allerdings nicht weiter tragisch.

MFI: Was kannst du uns über die Qualität der Bauteile und Komponenten berichten?

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Der Schaden an der Cockpiteinfassung ist durch eine Unachtsamkeit beim Verstauen der Einzelteile passiert. Er konnte aber leicht behoben werden, da die Cockpiteinfassung u. a. mit Türimitationen durch einfache Materialaufdoppelung aufgewertet wurde.

NW: Eigentlich nur Gutes! Das Folienfinish ist durchweg tadellos, keine Beulen, Falten oder Ähnliches; alle Teile ohne Verzug, keine Notwendigkeit zum Nachbügeln. Die weiteren Komponenten waren in Beuteln gruppiert und augenscheinlich von guter Qualität. Die sichtbare Holzstruktur hat eine einwandfreie Profilierung, alles recht erfreulich. MFI: Wie war dein Zeitmanagement bei der Vorgabe, die Maschine möglichst schnell aufzubauen und zu fliegen? Was hast du erwartet, und wie hat es sich dann wirklich dargestellt? NW: Mir war schon klar, dass die Fertigstellung der Tiger Moth nicht an wenigen Abenden zu realisieren sein würde. Der Vorfertigungsgrad ist aber beeindruckend, so dass das ganze Projekt doch überschaubar bleibt. Typische Modellbauarbeiten treten zugunsten reiner Montagetätigkeit zurück. Wer schon über Erfahrungen mit ARF-Modellen verfügt, wird ein wenig rationalisieren können, also gleiche Arbeitsschritte an allen Teilen ausführen, Verklebungen mit langer Aushärtezeit an das Ende des Bastelabends legen, um am nächsten Tag ungehindert weiter arbeiten zu können. Grundsätzlich muss sich jeder aber auch die Frage stellen, in welcher Qualität das Modell am Ende dastehen soll – also gebaut nach Vorgaben des Herstellers, ein wenig gepimpt oder gar aufwendig auf annähernd scale getrimmt, mit Weathering und anderen Details. Wer das schnelle Erfolgserlebnis sucht – und dazu gehöre auch ich –, wird allein schon mit der gelieferten ARF-Version glücklich.

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Hervorragende Qualität und sehr gute Passgenauigkeit zeichneten die Streben aus. Die Bohrungen passten, und die Lackierung hielt dauerhaft, was nicht immer bei dieser Art von Modellen aus chinesischer Produktion der Fall ist. Lediglich der Sporn war nicht wirklich praxisgerecht. Ein Steuern des Modells am Boden war kaum möglich.

MFI: Was kannst du über den konstruktiven Aufbau, Festigkeit, Passgenauigkeit der Baukomponenten zueinander und auch deren Qualität berichten?

NW: Der konstruktive Aufbau ist sehr durchdacht, gewichtsoptimiert und in sinnvolle Komponenten gegliedert. Es waren nur wenige Nacharbeiten nötig. So waren z. B. nicht alle Löcher kongruent zu den darunter liegenden Einschlagmuttern, und die Nuten für die Aufnahme der Fahrwerksstreben waren zu schmal. Das Nachkleben aller zugänglichen Holzverbindungen mit Ponal hat sich als obligatorische Arbeit an dieser ARF-Konstruktionen bewährt; erfahrungsgemäß sind auch GfK-Verstärkungen im Bereich des Motordoms bzw. des vorderen Rumpfs im Bereich der Aufnahme des Fahrwerks sehr sinnvoll. Die ohnehin schon gute Festigkeit wird dadurch nochmals deutlich gesteigert.

Allerdings ist die filigrane Holzstrebe für die Aufnahme des langen Aluhebels, an dem T.M.-typisch außen am Rumpf die Seile für das Seitenruder angeschlagen werden, viel zu instabil. Bei der Übertragung der hohen Ruderkräfte kommt es zu einer deutlichen Verdrehung der dünnen Sperrholzstrebe. Der Anlenkhebel verkantet sich schon bei der Funktionsprüfung am Boden im Führungsschlitz des Rumpfs. Begünstigt wird diese Torsion noch dadurch, dass dieser Aluhebel drehbar auf einem 2 cm hohen Distanzstück gelagert ist, das als Hebelarm wirkt. Ein Ausfüllen der Lücke zwischen dieser Strebe und dem angrenzenden Servobrett mit Sperrholz und anschließender Überplattung zu einer stabilen Einheit ist dringend anzuraten.

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Über den Motoreinbau schweigt sich die Anleitung aus. Die Maschine eignet sich für Elektro- als auch Verbrennerantriebe gleichermaßen. Beim Einbau kurzer Antriebe muss ein selbst gebauter, hohler Motordom den Antrieb halten.

Hier zeigt sich ganz deutlich, dass ARF-Modelle nicht von unerfahrenen Modellbauern strikt nach Bauanleitung montiert werden sollten und Hersteller nicht einfach Konstruktionen 1 : 1 auf Großmodelle übertragen können. ARF-Großmodelle müssen höhere Standards erfüllen. Hier fehlt offensichtlich noch der Dialog zwischen Modellflieger und Hersteller und zeigt die Relevanz einer solchen Praxisbewertung.

MFI: Die Maschine erhebt zwar keinen Anspruch auf absolute Vorbildgetreue; eine Tiger Moth kann man aber doch sehr deutlich erkennen. Gibt es Scale-Zubehör, und wie hast du die Maschine zusätzlich optisch aufgewertet?

NW: Ehrlich gesagt, war ich zunächst ein wenig enttäuscht ob der geringen Detailtreue. Das gähnend leere Cockpit, der glatte Flächentank im Baldachin, keine Türen oder Inspektionsklappen, fehlende Profile am Fahrwerk, weder Ölkühler noch Staurohr, nur die wesentlichen Aufkleber, aber keine Kennung; ich hatte etwas mehr Liebe zum Detail erwartet. Und das Instrumentenbrett besteht lediglich aus einem beiliegenden Farbfoto. Das wirkt irgendwie lieblos.

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Von der konstruktiven Auslegung her ist das komplette Leitwerk der Tiger Moth abnehmbar. Das ist bei eingeschränkten Transportbedingungen hilfreich. Die Leitwerkseinheit wird mittels fertiger Verschraubungselemente auf den Rumpfrücken aufgeschraubt. Dann müssen noch die Seil- und Gestängeanlenkungen der Rudern angeschlossen werden. Wer im Kombi allerdings über ausreichend Transportraum verfügt, der lässt das Leitwerk fest am Rumpf angebaut.

Durch den Transportschaden am Cockpit bot sich im Rahmen der Reparatur auch gleich ein Ausbau des Cockpitbereichs an. Wer also im tiefen Herzen Modellbauer ist, kann sich natürlich auch an diesem Modell noch richtig austoben. Meine Intention ist es aber beim Aufbau gewesen, auf einfache Art und Weise das Modell optisch ein wenig aufzuwerten. So habe ich zum Beispiel die Wellblechstruktur des Tanks durch Aufkleben von feiner, farbiger Wellpappe erreicht, gehärtet durch Spannlack. Türen und Klappen sind mit Folie bebügelte 1-mm-Sperrholzteile, die wie eine Dopplung einfach aufgeklebt sind. Die Sitze formte ich aus Styropor, die Pilotenpuppe ist von PAF zugekauft. Das war’s im Wesentlichen.

Wer mehr Details möchte, ergänzt die Tiger Moth vorzugsweise mit dem Styrolsatz von Toni Clark; so sind dann auch Öltank, Trittstufen, Radkappen und Cockpitpolster anzubringen. Ebenfalls lassen sich die Fahrwerksstreben durch profilierte Holz- oder Kunststoffteile fertigen. Perfektionisten kleben noch die Kennung auf Rumpf und Fläche. Im Internet findet man eine Fülle von Originalvorlagen – so auch meine G-ACDC: Die gibt’s tatsächlich, was Freunde des Hard-Rocks freuen dürfte!

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in der Ausgabe 1/2014 des MFI Magazins.