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Aus Richthofens fliegendem Zirkus – Fokker D. VII

Eingereicht

Viel Holz, reichlich Bespannung, ein bisschen Kunststoff und Metall – kein Schaum: Im Programm der schweizer Firma Ready2fly findet man eine kleine Oldtimer-Parade in konventioneller Holzbauweise und darunter eine farbenfrohe Fokker D. VII. Für dieses Flugzeug hat sich unser Autor Markus Prager schon in Jugendjahren begeistern können. Als er nun endlich das ARF-Modell in der ihm passenden Größe entdeckte, kam, was kommen musste!

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Schon immer hat mich die Fokker D. VII begeistert. So wundert es kaum, dass ich bei einem Besuch der Flugwerft Schleißheim stundenlang um die dort ausgestellte Maschine herumgeschlichen bin; wenn es einmal ein ARF-Modell mit ca. zwei Metern Spannweite gibt, würde das bei mir unterm Weihnachtsbaum liegen. Im Frühjahr 2013 warf ich einen Blick auf die Homepage der schweizer Firma Ready2fly, entdeckte die neuen Holzmodelle der ProLine-Serie – und traute meinen Augen nicht: Da war eine Fokker D. VII mit 180 cm Spannweite mit dabei. Ich vollführte im Hobbyraum einen Freudentanz, der meine Familie am Verstand ihres Ernährers zweifeln ließ. Der Liefertermin war auf Ende September datiert, was mir genügend Zeit für Gedanken über Motor und Akku ließ.

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Um am Oberflügel eine EWD von – 1,4 Grad einzustellen, muss die Montagehilfe hinten 7 mm unterlegt werden.

Es dauerte dann doch bis Ende Oktober, dass die Fokker geliefert wurde. Als mein Warbird-Flügelmann Jürgen Klein die Maschine in meinem Hangar begutachtete, fand er sie so gut, dass er kurzerhand die S.E. 5A aus derselben Serie orderte. So wird auch diese Maschine am Rande erwähnt werden. Auch der Abschnitt über den Bau der Fokker ist nahezu 1 : 1 auf die S.E. 5A übertragbar.

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Das Höhenruder muss für eine EWD von 1,5° (zum Unterflügel) hinten um 3,5 mm unterlegt werden.

Die Fokker D. VII
Im Gegensatz zur S.E. 5A wirkt die mit Oracover rot/weiß bespannte Fokker nicht wie eine typische Militärmaschine. Der untere Flügel hat eine wesentlich geringere Flügeltiefe als der obere, somit fällt natürlich auch die Flügelfläche mit 91 qdm gegenüber der S.E. 5A geringer aus. Die Flügel sind unbeplankt, und das Leergewicht mit allen Kleinteilen beläuft sich auf 3.530 g. Die Rumpfnase fällt durch den originalgetreu weit nach vorne gelegten oberen Flügel unheimlich kurz aus. Ich war beim ersten Zusammenstecken regelrecht erschrocken und fragte mich im Stillen, wieviel Gewicht wohl da vorne für den Schwerpunkt benötigt wird.

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Eine elektronische EWD-Waage erleichtert die Montage des oberen Flügels erheblich.

Ein Augenschmaus ist die Zwillings-MG-Attrappe aus sehr leichtem Balsaholz; eine Pilotenpuppe ist wie bei der S.E. 5A nicht im Baukasten beigelegt. Im Gegensatz zu der mit starren Alu-Streben angeschlagenen oberen Flügelbefestigung bei der S.E. 5A, sind bei der Fokker die inneren oberen Flügelbefestigungen durch einstellbare Gewindestangen ausgeführt; zwei Montagehilfen aus stabilem 3-mm-Sperrholz sind im Baukasten zu finden, und die äußeren N-förmigen Flächenverstrebungen sind aus einem Stück gefertigt und wunderschön mit Holz verkleidet. Eine einfach gehaltene Sechszylinder-Reihenmotorattrappe rundet das Bild der Fokker professionell ab.

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Die Holzscheiben, auf die die Radverkleidungen geschraubt werden, sind an der Außenseite ebenfalls am Bandschleifer konisch zugeschliffen worden.

Einstellwinkeldifferenz
Bei der EWD-Auslegung eines Doppeldeckers gelten ein wenig geänderte Spielregeln als bei einem Eindecker. Ausgangsbasis ist der untere Flügel mit 0° EWD. Der ober Flügel soll dann –1,0 bis –2,0° (Fläche hinten angehoben) EDW bekommen, wobei –2° für ein Modell schon sehr viel sind. Das Höhenruder muss dann ca. 1,5° EWD bekommen und sollte zum oberen Flügel noch eine positive EWD haben. Solch eine Einstellung ergibt beim Doppeldecker ein gutmütiges Flugverhalten; sollte er in einen überzogenen Flugzustand kommen, reißt aufgrund der höheren Anstellung des Unterflügels die Strömung zuerst an diesem ab, er senkt die Nase und fällt in den noch tragenden oberen Flügel – nur so ist ein schwerer Scale-Doppeldecker im Grenzbereich steuerbar.

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Die Radverkleidungen sind relativ spröde und erhalten ihre endgültige Form am Bandschleifer.

In der Serienauslegung sind die Flügel der Fokker exakt parallel und das Höhenruder hat 0,7° EWD, somit kann das Flugverhalten mit dieser Auslegung nicht optimal sein. Das sollte der Leser wissen; auch dem Hersteller und Vertreiber habe ich diese Information zukommen zu lassen. Das Modell im Testbericht ist am Oberflügel mit –1,3 und am Höhenruder mit 1,5° EDW eingestellt worden.

Zwei Tage nach dem Erhalt des Modells wurde an Ready2fly eine Mail mit der Beanstandung geschrieben und Fotos mit allen Rechten zur Freigabe und Veröffentlichung angehängt. Bereits einen Tag später bekam ich die Info, dass alle Kunden angeschrieben seien, der Hersteller informiert wurde und die Fotos auf der Internetseite veröffentlich sind. Das ist für mich eine Kundenorientierung, die ihresgleichen sucht; klasse Service!

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in der Ausgabe 7/2014 des MFI Magazins.