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Keine Angst vor »Lozenge«: oder: wer ist MDF-Modelltechnik?

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Den englischen Begriff Lozenge übersetzt man mit Raute – womit erst mal recht wenig ausgesagt ist. In unserem speziellen Fall ist damit der Tarnstoff gemeint, mit dem im I. Weltkrieg zahlreiche deutsche Flugzeuge bespannt waren. Die in vier oder fünf Farben auf den Stoff aufgebrachten Sechsecke sollten die Konturen des Flugzeugs auflösen und es für den Gegner schwerer erkennbar machen. Ein aufwendiges Finish für Scaler, die ihr Modell entspechend gestalten möchten – es sei denn, man weiß, wo man ein solches Bespannmaterial im richtigen Maßstab bekommt!

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Der Vielfältigkeit im Modellbau sind kaum Grenzen gesetzt. Je nach Gusto bietet eine Palette vom reinen Zweckmodell bis zum identischen Abbild eines Originals reichliche Möglichkeiten, seine persönlichen Wünsche zu erfüllen. Nahezu unerschöpflich ist im Scale- bzw. Semiscale-Modellbau die Zahl der Vorlagen in der Literatur und im Internet. Mir persönlich haben es die Flugzeuge aus der Gründerzeit der Luftfahrt angetan, speziell die individuell farbenfroh gestalteten Doppeldecker aus der Ära des I. Weltkrieges und der Zeit danach. Wenn es dann aber um den Aufwand der Lackierung oder besser der Bemalung geht, kommen erste Zweifel auf, ob sich das oft bei deutschen Flugzeugen verwendete vier- oder fünffarbige Lozenge-Muster einfach realisieren lässt.

Lozenge_2Wer die Wahl hat, hat die Qual. Auch mir ist es bei meinem jüngsten Projekt – einer Fokker D VII im Maßstab 1 : 3 – so ergangen (Bericht folgt). Ein Marineflieger aus der Marinefeldjagdstaffel III – Flandern sollte es werden. Aber wie bekomme ich den Lozenge-Tarndruck der Tragflächen möglichst originalgetreu hin? Wie sehen die originalen Farben des zu verwendenden Vierfarbdrucks aus? Eine Internetrecherche brachte anfangs mehr Verwirrung als Klärung, so vielfältig ist dieses Thema.

Die kleine Fokker D VII mit ihrem Lozenge-Tarnmuster von  MDF-Modelltechnik war Anstoß für die Recherche im Internet.

Die kleine Fokker D VII mit ihrem Lozenge-Tarnmuster von MDF-Modelltechnik war Anstoß für die Recherche im Internet.

In den USA habe ich bedruckte Stoffbahnen gefunden, die in der dortigen sehr aktiven WW I-Szene vielfach verwendet werden. Leider waren sie in meiner gewünschten Farbgebung und im Maßstab nicht erhältlich. Durch Zufall stieß ich auf eine kleine Fokker D VII im Maßstab 1 : 8, die mit bedruckter Bügelfolie bespannt war. Auf der zugehörigen Homepage von MDF-Modelltechnik wurde ich dann fündig. Nach einem ersten herzlich geführten Telefonat wurde der Entschluss gefasst, die kleine Firma in Niedernhall im Hohenlohischen Land zu besuchen.

An einem bereitgestellten Tragflächenteil konnte unser Autor die Bügelfolie ausprobieren. Egal, welche Textilfolie als Basis benutzt wird, die Verarbeitung ist kinderleicht.

An einem bereitgestellten Tragflächenteil konnte unser Autor die Bügelfolie ausprobieren. Egal, welche Textilfolie als Basis benutzt wird, die Verarbeitung ist kinderleicht.

Wer ist MDF- Modelltechnik?
M wie Marko Käppler, D wie Dieter Werz und F wie Friedrich Lemberg – drei ambitionierte Modellbauer, die durch Studium und Beruf einen engen Bezug zur Fliegerei haben und ihre Erfahrungen und Entwicklungen gerne an andere weiter geben. Die Tatsache, dass mir bei der Begrüßung jeweils ein »gedienter Vertreter« der Luftwaffe, der Heeres- und Marinefliegerei gegenüberstand, war für mich als Marineflieger Garant für ein informatives und kameradschaftliches Treffen.

Modellflug betreiben die drei schon seit ihrer Jugend. Kennengelernt haben sie sich auf verschiedenen Aircombat-Wettbewerben und beim Gnumpf-Fliegen. Mit der Zeit wuchs hier eine enge Verbindung heran. Im Januar 2007 wurde dann die MDF-Modelltechnik GbR gegründet. Seit ihrem Studium der Luft- und Raumfahrttechnik sowie der Kfz-Technik hatte jeder für sich einiges an Entwicklungen und Konstruktionen vorzuweisen, was jetzt unter einem Dach zusammengefasst werden sollte und die zukünftige Firmenphilosophie bestimmte. Klein aber fein ist die Devise – es sollten Modelle angeboten werden, die nicht allgegenwärtig, aber erschwinglich sind – und die folgende wesentlichen Merkmale aufweisen: durchdacht, präzise gefertigt, erprobt und leicht zu bauen – frei nach dem Firmennahmen MDF: Modelle, die fliegen.

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Die riesige Druckmaschine zaubert Lozenge-Folien in allen Maßstäben und Farben.

Vor Ort konnte ich mich dann überzeugen, dass mit einem modernen Maschinenpark – bestehend aus CNC-Fräsen, Styroschneideanlagen, Plottern und Digitaldruckern – alles hergestellt werden kann, was der Firmenphilosophie gerecht wird. Die vertriebenen Kits der verschiedenen Modelle sind durchweg durchdacht. Optimierung ist ein Ziel der drei Enthusiasten.

So war es auch zur Entwicklung des Lozenge-Druckverfahrens bei Konstruktion und Bau der kleinen Fokker D VII gekommen. Marko Käppler hatte sich ein Design in den Kopf gesetzt, scheiterte aber bei der Suche und Beschaffung einer Bespannung im Lozenge-Pattern. Aufgegeben wird aber nicht! Da Modellbauer bekanntlich »Allroundtechniker« sind, wurde gehandelt nach der Devise: selber machen. Als Autodidakt im Bereich Digitaldruck machte sich Marko an die Entwicklung einer Möglichkeit, das Lozenge-Muster auf einen Träger zu drucken. Nach langen Recherchen war zunächst der erste Datensatz erstellt und im Rechner gespeichert.

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in der Ausgabe 10/2014 des MFI Magazins.