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Die fliegende Feuerwehr – Canadair CL-415 von aero-naut

Es gibt wohl keine spannendere Aufgabe in der Luftfahrt als die Brandbekämpfung. Da die kanadische Stadt Yellowknife, in der ich lebe, von riesigen Wäldern umgeben ist, in denen es immer wieder einmal zu Waldbränden kommt, habe ich schon diverse Male den Einsatz der Feuerlöschflugzeuge Canadair CL-215 beobachten können. So loderte in der Nähe der Stadt ein Waldbrand auf, sofort gingen zwei Maschinen im Alarmstart in die Luft, ge folgt von einer Beech King Air, die als sogenanntes Spotter Plane über dem Brandherd kreiste und die CL-215-Piloten einwies. Da das Feuer so nah am See lag, konnten die Maschinen wie in einer vergrößerten Platzrunde auf dem See anwassern und den »Scoop« ausfahren. Durch diesen Füllstutzen wird das Wasser aufgrund des Wasserdrucks bei der hohen Fahrt auf dem See in den Rumpfbehälter hineingedrückt, bis es aus den Überläufen herausschießt. Der 5,3 Kubikmeter fassende Behälter ist in zehn Sekunden voll, pro Sekunde strömen 530 Liter Wasser in den Tank. Insgesamt wurden so ca. 127 Kubikmeter oder 127.000 Liter Wasser abgeworfen. Ein anderer Waldbrand in ca. 50 Kilometer Entfernung war von meinem Haus aus sehr gut zu beobachten. Besonders eindrucksvoll war die Wasserdampfwolke, die mehrere Kilometer empor stieg, wenn bis zu sechs Maschinen im rollenden Einsatz tonnenweise Wasser über der Brandstelle abwarfen.

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Die CL-215 begeisterten mich mit ihren satten Pratt&Whitney 18-Zylinder-Sternmotoren-Sound. Zudem wollte ich vom gleichen See anwassern wie die Feuerlöschflieger. Laut Internet-Recherche gibt es die CL-215 wie Sand am Meer, meist aber nur als Schaumflugzeug, was sicher ganz gut ist hinsichtlich der vermuteten Unsinkbarkeit. Daneben gibt es auch Fertigkonstruktionen, aber da ich nicht nur Modellpilot, sondern vor allem Modellbauer bin, kam das nicht in Frage. Heißt die Forderung also Bausatz, dann wird die Suche ganz schön eingeengt.

Bei aero-naut fand ich immerhin eine CL-415, die Propellerturbinenversion der CL-215. Ich muss anführen, dass ich ursprünglich aus der Luftfahrtindustrie komme und damit sicher zu den eher anspruchsvollen Kunden gehöre, was Qualität und Bauausführung angeht. Als ich die Schachtel öffnete, kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus – allerfeinste Sahne! Der leichte Rumpf ist aus GfK gefertigt und verfügt über eine glänzend weiße Gelcoat-Deckschicht. Eine kaum sichtbare, sehr sauber bearbeitete Trennnaht lässt erahnen, wo die Rumpfschalen zusammengefügt wurden. Das überschüssige Epoxidharz wurde zwar nicht vom Laminat abgesaugt, aber die Harztränkung ist hervorragend, es wurde schön sparsam gearbeitet. Als Besonderheit verfügt der Rumpf über ein Sandwich-Laminat im Bereich der Rumpfwände. Das garantiert hohe Steifigkeit bei geringem Gewicht. Das sieht man ganz selten und es demonstriert den großen Sachverstand bei aero-naut. Der Modellbauer erhält mit diesem Rumpf ein Spitzenprodukt, das die gleichen technischen Merkmale besitzt, wie man sie bei manntragenden Kunststoff-Flugzeugen findet. Wer mich am Wasserfliegerdock anspricht, muss damit rechnen, dass ich längere Zeit über diesen Rumpf schwärmen werde.

Aber was gibt es noch im Karton? Vor allem ausgesuchtes Balsaholz in sehr guter Qualität. Neben den verschiedenen Leisten und Brettern gibt es mehrere Stanzteile, überwiegend für die Rippen von Tragflügeln und Höhenleitwerk mit sehr guter Passgenauigkeit. Überhaupt steigert das Auspacken die Vorfreude aufs Bauen ungemein, z.B. durch die GfK-Motorgondeln mit ihren Hauben, die schön geformt Lufteinläufe haben. Auch hier finde ich die sehr gute Qualität wieder, die ich schon beim Rumpf bewundern konnte. Die Bauteile sind bereits sauber auf Form gefräst und können ohne formgebende Nacharbeit verwendet werden. Daneben finden sich noch Räder und Fahrwerkstähle, drei große, selbstklebende Dekorbögen sowie zwei Kleinteilebeutel. Balsasperrholzbretter, in die verschiedene Bauteile gestanzt sind, zeigen, dass das Modell von einem Leichtbauexperten entworfen wurde. Dem Bausatz liegen auch zwei super gemachte GfK-Höhenruderfinnen bei, zu denen ich später noch ein paar Wörter verlieren werde. Vervollständigt wird der Bausatz durch zwei Baupläne und eine bebilderte Bauanleitung mit einer ausführlichen Stückliste, die das Zuordnen vor allem der Balsabretter und – leisten sehr erleichtert.

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in der Ausgabe 4/2016 des MFI Magazins.