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Speed Canard SC-01

Eingereicht

In Voll-GfK von Roke Modelle

Von der Speed Canard geht eine besondere Faszination aus. Dabei ist sie nicht neu, die Produktion des Originals wurde mangels Verkaufserfolg schon lange eingestellt. Sie ist als Original am Himmel eher selten zu sehen und auch als Nachbau auf den Modellflugplätzen macht sie sich rar. Das mag vielfältige Gründe haben, vielleicht ist sie zu futuristisch. Auf keinen Fall kann es aber an den Flugleistungen liegen. Roland Kern von Roke Modelle hat sich dieser Maschine schon 1984 angenommen und produziert seit vielen Jahren das edle scale Voll-GfK-Modell im Maßstab 1 : 2,5. Ein Grund, sich diese Maschine mal genauer anzuschauen.

Das Original
Die beiden Piloten Peter Krauss und Jörg Elzenbeck erwarben 1976 in den USA einen Bausatz der Rutan VariEze. Die Entwicklung dieses Entenflugzeuges lag da schon sechs Jahre zurück und war mittlerweile als sogenanntes Homebuilt ein ausgereiftes Flugzeug und in den USA sehr populär. Es hatte mit seinem Höhenruder vorne, den als Seitenruder ausgeformten Winglets, und dem Druckpropeller hinten nicht nur eine ungewöhnliche Erscheinungsform, es verfügte auch über gute Flugleistungen. Die Idee reifte, auf der Basis der VariEze ein ähnliches Flugzeug zu entwickeln, das anstelle eines Bausatzes als fertiges Serienprodukt angeboten werden sollte.

Der Formenbau ist komplex. 33 einzelne Formen werden von Roland Kern in aufwendiger Handarbeit auslaminiert und zusammengefügt.

Zu diesem Zweck wurde 1978 die Firma Gyroflug Ingenieur GmbH Stuttgart gegründet. Die Auslegung der neuen Gyroflug SC-01 Speed Canard war der VariEze von Rutan sehr ähnlich. Man unterschied sich aber im Detail. So verfügte die SC-01 z. B. nicht über das hohe Lastvielfache der VariEze. Dafür war die SC-01 aber aerodynamisch deutlich besser konstruiert. Das resultierte in einer höheren Reichweite und Geschwindigkeit. Als Rumpfvorderteil der SC-01 wurde der Cockpitbereich der Grob G 103 Twin Astir genutzt.

Professor Eppler war an der Auslegung und Formgebung der Astir-Familie maßgeblich beteiligt und zeichnete auch für die Profile der Speed Canard verantwortlich. Das zu der Zeit hochmoderne Flügelprofil bestand im Hauptflügel aus dem Eppler E793 (E374) einschließlich Winglets. Der vordere Entenflügel trug das Eppler E1231 mit Spaltklappe. Viele andere moderne Details konnten an dieser Maschine realisiert werden, z. B. eine mechanische Side Stick-Steuerung. Auch konnte das Bugfahrwerk zum besseren Aus- und Einsteigen sogar am Boden eingefahren werden. Ein kleiner Gummipuffer schützte das Fahrwerk vor Beschädigungen am Boden.

Rudolf Voit-Nitschmann führte den Erstflug des ersten Prototypen (D-EEEX) am 2. Dezember 1980 in Baden-Baden durch. Nach der Musterzulassung durch das Luftfahrtbundesamt am 20. September 1983 begann 1984 die Serienproduktion. Die Speed Canard war das erste in der Bundesrepublik musterzugelassene Flugzeug in Entenbauweise. 1984 übernahm Justus Dornier die Firma Gyroflug und leitete eine Weiterentwicklung der Maschine ein. 1986 erschien die SC-01B mit um 25 cm verlängerten Winglets. Bis dahin produzierte Maschinen konnten nachgerüstet werden.

Es wurden insgesamt 58 SC-01 gebaut, die meisten von ihnen wurden von einem Lycoming O-320 Motor mit 116 kW Leistung und Dreiblattpropeller angetrieben. 1988 erfolgte der Umzug des Unternehmens nach Mengen, die Firma nannte sich ab 1990 Gesellschaft für Flugzeug- und Faserverbund-Technologie mbH. Obwohl von den Flugleistungen her herausragend, wollte sich ein wirtschaftlicher Erfolg mit der Produktion der SC-01 nicht einstellen. Die begründenden Faktoren waren sicher mit das futuristische Design, aber auch die beschränkte Zuladung bzw. fehlender Stauraum für Gepäck für Überlandflüge. Obwohl spektakuläre Werbeflüge durchgeführt wurden (z. B. der 70 stündige Übersee-Flug nach Oshkosh und zurück), zeigten sich potentielle Kunden bei dieser ca. 300.000 DM teuren Maschine wenig interessiert. So musste die Firma 1992 in Konkurs gehen, die Produktion wurde eingestellt.

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in der Ausgabe 8/2018 des MFI Magazins.