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Was lange währt – Turbo Raven…

Eingereicht

… als 2,95 Meter-Großmodell Teil 1

Von der Powermaschine Turbo Raven geht ein ganz besonderer Reiz aus: Eleganz, Einzigartigkeit und Kraft »ohne Ende«. Kein Wunder also, dass es so viele Nachbauten gibt, obwohl die Maschine nur ein einziges Mal im Original gebaut wurde. Von Schaum über diverse Holzkonstruktionen bis zu Voll-GfK-Modellen wird die Turbo Raven in unterschiedlichen Maßstäben angeboten und erfreut sich seit Jahren großer Beliebtheit. Nun kommt mit der Firma Jetisfaction von Alex Braun ein weiterer exklusiver Hersteller dieses Typs hinzu. Das Großmodell mit 2,95 Metern Spannweite ist aber nicht mal eben schnell entstanden, um eine Lücke in dieser Größenordnung zu füllen, sondern wurde über drei Jahre lang gebaut, optimiert und letztlich von den Profis Alex Braun und Uwe Rihm für eine Kleinserie vervollkommnet. Der Prototyp flog auf Anhieb spitze. Die ersten Voll-GfK-Komponenten wurden auf der JetPower-Messe präsentiert und es gab sofort die ersten Vorbestellungen. Besser kann es kaum laufen. Der Weg zum Erfolg war trotzdem lang.

Mit den richtigen Partnern war das Projekt überschaubar. Besonderer Dank gilt Emanuel Popp mit seiner lieben Frau Mirella, die nicht nur in ihrer Firma AFT.ro die Styrosegmente auf der Basis einer Zeichnung von H.-J- Fischer und Eckart Müller produzierten, sondern auch persönlich anlieferten. …

Das Original
Der passionierte Pilot Wayne Handley hat als Marinepilot, Agrarflieger, Fluglehrer und letztlich Showpilot Jahre seines Lebens in der Luft verbracht. Er begann seine Karriere als Kunstflieger mit einer gebrauchten Pitts Special. Es folgte die auf der Grundlage einer Zivco EDGE 540 gebaute Raven. Weltbekannt wurde er jedoch durch die Turbo Raven. Leider wurde sie nach vielen Showflügen in einem fatalen Crash irreparabel zerstört (www.youtube.com/watch? v=BJWjbpA_zIc). So richtig ist die Ursache des Unfalls nie herausgekommen, es bleiben viele Spekulationen und Mutmaßungen. Mit zum Crash beigetragen hat aber sicherlich, dass sich zur beabsichtigten Kurzlandung der Verstellpropeller aufgrund Triebwerksausfalls nicht mehr aus der schon in der Luft aktivierten Schubumkehr herausfahren ließ und damit einen großen Widerstand erzeugte. Es fehlte schlichtweg der Öldruck vom laufenden Triebwerk, um den Verstellpropeller mindestens wieder in Segelstellung fahren zu können. Diese fatale Situation konnte der Pilot nicht mehr durch einen extrem steilen Sinkflug ausgleichen und prallte mit dem Flugzeug auf der Runway auf. Handley überlebte schwer verletzt und musste fast zwei Jahre mit der Fliegerei pausieren. Dann ging es jedoch mit der Showfliegerei weiter. Nur nicht mehr mit der Turbo Raven, die war unwiederbringlich zerstört.

… Die 10 cm dicken Segmente werden auf eine Alustange aufgefädelt und können gleich miteinander verklebt werden. Dieser sich ergebende große Styrokern ist eine hervorragende Grundlage zum weiteren Aufbau des Urmodells.

Doch was macht die Turbo Raven so besonders, dass sich schon fast ein Mythos um sie bildete? Handley bekam durch ein Sponsoring von Oracle die Möglichkeit, eine außergewöhnliche Maschine zu bauen. Es sollte ein Flugzeug entstehen, das sich durch ein überragendes Schub-Gewichtsverhältnis auszeichnete. Am Bau beteiligt war auch Richard Giles von AkroTech Aviation, tatsächlich wurde die Turbo Raven auch als Giles G-750 (N17HE) registriert. Der Rumpf basierte auf der Grundlage der Giles G-202 und war im Grunde genommen eine mit Minimalmaßen umgebaute 750 HP Pratt & Whitney PT6A-Turbine mit dem Tragwerk der G-202.

Den 800 kg Leergewicht standen 1,4 Tonnen Schub entgegen. So konnte die Maschine mehrere Steigflugrekorde erringen, aber auch sonst zeichnete sie sich durch hervorragende Manövriereigenschaften aus. Handley errang mit ihr z. B. den Weltrekord für 78 (!) sukzessive Flachtrudelbewegungen im Rückenflug. Das Flugzeug erreichte eine max. Geschwindigkeit von 480 km / h und hatte eine Rollrate von 450 Grad / sec. Die Konstruktion bestand komplett aus Komposit-Material; nur so konnte das geringe Gewicht erzielt werden. Trotzdem war es noch gut ausgerüstet. Es konnte nach Instrumentenflugregeln geflogen werden, hatte eine Heizung und für Flüge über 3.000 Metern eine Sauerstoffversorgung. Die Turbo Raven blieb jedoch ein Einzelstück, nach dem Crash wurde kein weiteres Exemplar gebaut. Weitere Informationen und Bilder findet man bei www.waynehandley.com/archive.html

Idee und Partnersuche
Es war ein schöner Flugtag; ich war zu Gast bei meinen Freunden der Modellfluggruppe in Leer. Wir beschlossen, am Abend in meiner Wochenendbude bei einigen Fläschchen Rotwein die Flüge noch einmal Revue passieren zu lassen. »Mensch, war das schön heute. Besonders Georgs Turbo Raven mit den tiefen schnellen Überflügen. Die Kiste ist mit zwei Metern nur ein wenig mickrig. So eine mit drei Metern – das wär was!«. Der Virus griff schnell um sich und das Thema zog sich durch den Abend. Wie schwer wird die; welcher Antrieb …?. Drei Meter Spannweite war aber eine Marktlücke; da gab es überhaupt keine Angebote für dieses Modell. Also selber bauen? Die letzte Flasche wurde geöffnet und der Entschluss zur Eigenkonstruktion gefasst.

Gesagt ist so etwas schnell, die Verwirklichung zum Topmodell sollte aber dann doch einige Zeit dauern; der Arbeitsaufwand wurde extrem unterschätzt. Die Eckpfeiler des Projekts waren jedoch schnell klar: Urmodellbau vom Rumpf, Tragwerk in Styro-Furnier-Bauweise, Formenbau für das Fahrwerk; ggf. Rückgriff auf den Fachhandel, …

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in der Ausgabe 5/2018 des MFI Magazins.