Aus der Redaktion

Hier finden Sie Interessantes, Wichtiges, Hintergründiges, Literatur, Multimedia und mehr ...

szene

Treffpunkte, Kontakte, Meinungen, Erfreuliches, Ärgernisse - was ist los in der Modellbauszene...

archiv

Sie haben einen Bericht verpasst oder möchten einfach in alten Ausgaben stöbern…

Home » Aus der Redaktion

Grüne Folie statt Grüner Punkt

Eingereicht

Modellflugzeug-Recycling

Bei verschiedenen Anbietern gibt es einen DLG, der sicher schon bei vielen Modellbauern unter dem Namen TopSky, Versus, Long Shot oder Dymond DLG ein Zuhause gefunden hat. Auch ich hatte mich von dem Discus Launch Glider-Virus infizieren lassen, bekam aber schon nach kurzer Zeit ein regelrechtes Schleudertrauma; irgendwie war ich doch mehr Modellflieger als Modellsportler. Ich stöberte also mal wieder in den Online-Shops auf der Suche nach einem neuen Segler.

Aber das Modell gefiel mir eigentlich sehr gut, bestand es doch aus hochwertigen und sauber gefertigten Bauteilen und hatte dazu phantastische Flugleistungen. Außerdem sprach mich das Design sehr an. In den Online-Shops gab es zwar allerhand Auswahl, aber ich dachte zunehmend, dass ich doch ein Spitzenmodell hätte, das nicht so ohne weiteres zu ersetzen sei. Sicherlich lagern bei vielen Modellfliegern etliche unbenutzte Modelle, weil sie nicht mehr gefallen, nicht versprochenen Flugeigenschaften haben, oder wie in meinem Fall, eigentlich ein Fehlkauf waren.

Diesmal wollte ich aber nicht den üblichen Weg gehen und wieder einmal ein virtuelles Warenkörbchen füllen und dann auf den Paketboten warten. Statt Ersetzen kann man doch auch Verbessern. Eigentlich fehlte mir ja nur eine andere Startmethode als das Diskuswerfen und eventuell ein bisschen mehr Spannweite und ein Vier-Klappen-Flügel, wenn man schon dabei ist. Die Stärke des Modells liegt schon im Originalzustand eindeutig beim ruhigen Gleitflug mit verwölbten Flächen, das sogenannte »Floaten«, also fliegen mit geringstem Sinken.

Die Wölbklappe im Rohbau.

So beschloss ich also, das ausgemusterte Modell in einen 2,5 Meter-Floater mit Elektroantrieb zu recyceln, anstatt es als Einwegspielzeug ins Grüne-Punkt-System, sprich die Mülltonne, zu geben. Im Falle des Ausgangsmodells hatte der Hersteller für einen Elektroumbau alles richtig gemacht. Da das Modell auf den Diskusstart hin optimiert war, waren genug Festigkeitsreserven eingebaut, um auch ein bisschen mehr Zuladung zu verkraften. Dazu passte der sehr lange Rumpf auch perfekt zu einem größeren Tragflügel. Das Modell war auf geringstes Sinken hin optimiert, und durch die Spannweitenvergrößerung würde die Flächenbelastung trotz Elektroantrieb weiterhin niedrig bleiben.

Die Verbindung von Nasenleiste und Rippe im Detail.

Da der Rumpf kaum Platz bot, musste ein Motor eingebaut werden, der das Modell nicht rasch hinauf ziehen, sondern möglichst lange in der Luft halten sollte. Der Antrieb musste also nur soviel Leistung dauerhaft bereitstellen, um das geringste Sinken auf Null zu kompensieren, damit das Gelände weiträumig abgeflogen werden konnte, um die Thermiken aufspüren zu können. Eine Steigleistung von mehr als 2 m / s war also nicht notwendig. Eine Überprüfung des Rumpfs ergab, dass ein 7,4 V LiPo-Akku mit 0,8 Ah Kapazität und ein 18 A-Controller hineinpassen würden. Für den Motor war dann aber kein Platz mehr, er musste außen angebracht werden. Bei der praktischen Fluggeschwindigkeit war von großen Nachteilen für die Aerodynamik nicht auszugehen, zumal der Motor hinter einem Spinner liegen würde, der allerdings mit den Alublatthaltern nun auch kein Wunder der Stromlinienform ist. Außen angebracht ist man aber von allen Platz- und Kühlluftsorgen frei.

Es geht zwar eng zu, dennoch passen ein Zehnkanal-Sanwa-Empfänger und der übliche Kabelsalat in den Rumpf.

Da die neue, von mir bevorzugte O.S.-Elektromotorenserie aktuell erst bei 76 g-Motoren anfängt, musste notgedrungen auf ein anderes Fabrikat ausgewichen werden, um so leicht wie möglich zu bleiben. Im örtlichen Hobbyshop fand ich einen Dymond AL 2822 V2, der mit 35 Gramm sehr leicht ist und nebenbei mit einer falsche Angabe zur Motorleistung angeboten wird. Denn der Motor verträgt in der Praxis nicht die angegebenen 110 W, schon bei 50 W Eingangsleistung wird er nach wenigen Sekunden so heiß, dass sicherheitshalber gestoppt werden muss. In meinem Fall war das aber egal, da ich nicht mehr als 20 W Eingangsleistung abfordern würde. Mit einer 9 x 5 Klapplatte von aero-naut stehen diese 20 W für den Steigflug zur Verfügung. Spannend war die Frage, wie viel Leistung im Floater-Regime notwendig sein würde.

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in der Ausgabe 3/2018 des MFI Magazins.